Auf einen Blick
Was
:
Schiff Ahoi! Again
Wer
:
Sven Tasnadi
Wann
:
6.6.2010 | 12 Uhr
Wo
:
MS Poseidon

Leipzig wurde in der einschlägigen Musik-Presse ja bereits mehrfach zur „Hochburg des Deephouse“ gekürt, auch wenn man das vorort wohl differenzierter sieht und sich vor allem einem kollektiven City-Sound gern verweigert.

Aber besonders einer aus dieser sympathischen Stadt, der trotz aller Klischeeschubladen unbeirrt aufwärts strebt und aktuell mit seinem ersten Release auf Cocoon Recordings für anerkennendes Schulterklopfen in seiner Heimat sorgte, ist Sven Tasnadi.

Anfang Juni wird er als Kutter-Kapitän das musikalische Steuerrad der MS Poseidon in die Hand nehmen. Daher horchten wir ihn mal aus, wie man eigentlich bei einem viel beschäftigten Sven Väth anheuert und wo die künstlerische Weltumsegelung dieses Jahr hingehen soll.

Thamash: Was hat dich dazu inspiriert nicht nur elektronische Musik zu konsumieren, sondern aktiv zu werden und 1995 selbst Platten aufzulegen?
Sven Tasnadi: Ich war glaube einfach neugierig wie das Ganze funktioniert, speziell das mit dem Mixen.

Thamash: Es hat ja aber ganze 10 Jahre gedauert bis deine ersten Tunes auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Hast du erst so spät begonnen zu produzieren oder deine Produktionen so lange unter Verschluss gehalten und stetig verbessert?
Sven Tasnadi: Ich hab 2000 angefangen Musik zu machen. Vorher war mir das nicht so wichtig. Aber bis die ersten Sachen bei Steffen Bennemann auf seinem Netlabel 1bit-Wonder rausgekommen sind, habe ich auch nicht geglaubt, das sie gut genug seien. Selbstkritik ist etwas, das ich bei sehr Vielen heutzutage vermisse. Immer gleich alles veröffentlichen, am besten noch auf dem eigenen Label, damit man sich keiner Kritik aussetzen muss.

Thamash: Die erste Pressung von einer deiner Produktionen erschien dann zwei Jahre später bei Daniel Stefaniks Imprint „Cargo Edition“ und hat sicher nicht unwesentlich zu deinem weiteren Erfolg beigetragen. Glaubst du, dass man heutzutage auch ohne regelmäßige Vinyl-Releases ein erfolgreicher, international gebuchter DJ sein kann?
Sven Tasnadi: Wenn du 15 Jahre Zeit hast, du ein guter DJ bist und dazu noch gute Kontakte hast, dann geht das bestimmt. Aber im Normalfall kommt man ohne Vinyl-Veröffentlichungen nicht über ein gewisses Level hinaus. Dafür gibt es mittlerweile einfach zu viele DJs.

Thamash: Apropos „Cargo“. Bleed, Mitbegründer und -herausgeber des renommierten Musikmagazins De:Bug, hat von Nummer 12, speziell deinem „Lost In Chaos“-Track, mal geschwärmt, dass er „Oldschool und minimaleren Stimmungen perfekt zusammenbringt“. Ist das grundsätzlich dein musikalischer Ansatz, die Kombination aus der „Alten Schule“ ála Detroit/Chicago und einer reduzierten Atmosphärik?
Sven Tasnadi: Beim Musikmachen habe ich eigentlich keinen grundsätzlichen Ansatz. Ich mache einfach, was ich fühle.

Thamash: Bei einem Video-Interview mit Steffen Bennemann haben ich kürzlich mit ihm darüber diskutiert, dass man deine und andere Leipziger Produktionen auf keinen konkret wiedererkennbaren Leipzig-Sound festnageln kann. Wie siehst du das? Würdest du eine Assoziation mit einem stadttypischen Stil für vorteilhafter halten oder eher für abträglich im Bezug auf eure musikalische Eigenständigkeit? Amerikanische Städte stehen ja auch zum Teil synonym für verschiedene elektronische Fassetten.
Sven Tasnadi: Also generell machen wir schon das selbe, nämlich Techno oder House. Aber das ganze sehr facettenreich. Darum sind wir ja auch alle auf so verschiedenen Labels verstreut. Von Cocoon bis KANN ist ja schon ein großer Bogen. Für eine bestimmte Zeit kann ein "sound of" sicher helfen, aber auf Dauer wird alles uninteressant. Zu viel Fokus ist ungesund denke ich.

Thamash: Sven Väths Motto „The only way to grab my attention is about your music“ klingt zwar einfach, aber wie hast du überhaupt die Aufmerksamkeit von „The hardest working man in Techno-business“, wie er oft genannt wird, erlangen können?
Sven Tasnadi: Sven supportet meine Platten schon von Anfang an und als ich dann im Cocoon gespielt habe, fragte mich Pauli, ob ich nicht ein paar Sachen für Cocoon hätte. Der Rest ist Geschichte.

Thamash: Deine ganz eigene Spielwiese diesbezüglich, das Label Oh Yeah!, das du zusammen mit Daniel Stefanik und Juno6 betreibst und auf dem auch nur ihr Drei veröffentlicht, ist ja Anfang diesen Jahres ein Jahr alt geworden. Was würdest du für ein Resümee nach den ersten 12 Monaten ziehen? Ist das Experiment geglückt?
Sven Tasnadi: Der Start war leider nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber es ist noch nicht aller Tage Abend.

Thamash: Du hast ja bereits im vergangen Jahr mit etwa einem halben Dutzend Veröffentlichungen und unzähligen Gigs rund um den Globus ordentlich vorgelegt. Willst du dich da dieses Jahr noch steigern, mehr Bookings, mehr Releases? Oder ist für 2010 sogar schon deine musikalische Weltherrschaft in Planung?
Sven Tasnadi: Eigentlich will ich diese Jahr eher weniger Releases an den Start bringen und dafür aber mehr Bookings bewältigen.

Thamash: Dann wünschen wir viel Freude bei deinen weltweiten Gigs in fernen Ländern und freuen uns natürlich trotzdem auf die wenigeren, aber dafür sicher noch ausgewählteren Tracks von dir. Danke dir für deine Zeit.

Autor: (28.05.2010)
xs
sm
md
lg