Es ist nicht ganz einfach, sich mit Len Richardson/ Magic Mirsch/ Vegan Cannibal/ Mirsch and his machines in diesen Wochen zum Interview zu treffen. Und das liegt nicht daran, dass wir da vier Personen zusammenbekommen wollten. Denn all diese Alter Egos sind letztlich nur eine Person; doch diese ist aktuell ständig im Lande unterwegs.

Seit vielen Jahren kennen wir Len und verfolgen seinen Werdegang. Da in den letzten Monaten sein DJ-Name wöchentlich auf Flyern, Plakaten und in Veranstaltungsankündigungen zu lesen ist, baten wir um ein Treffen.

In der Weihnachtszeit, wenn die Besinnlichkeit einkehrt, klappte es dann mit einem Termin. Zwischen Vorlesung und Partyvorbereitung hatten wir zweieinhalb Stunden Zeit, um uns seine Musiker-/ DJ-Vita erklären zu lassen. Kurz zusammengefasst: Langeweile ist ein Wort, was in seinem Leben keine große Benutzung finden dürfte.

Ein Meilenstein im Leben jedes DJs ist der erste offizielle Gig. Für Len war das vor 16 Jahren, am 19.4.2002, bei der "no historical backspin"-Feier im Kilowatt. Als Vegan Cannibal begann er seine DJ-Laufbahn mit technoiden und chilligen Sets. Was sich in der Folgezeit ändern sollte. Denn er verlor sein musikalisches Herz an Bassmusic und Dubstep. Was dann auch mit einem Namenswechsel einherging.

War Mirsch and his machines eigentlich für ein Liveprojekt gedacht, nutzte er den Namen dann auch für seine DJ Sets. Befreundete Veranstalter verzweifelten regelmäßig dabei, seinen Namen auf ihre Flyer zu setzen, da die Länge des Namens oft jedes Design sprengte. Letztendlich wurde sein Name auf Magic Mirsch gekürzt und er nahm diese Änderung dankend an.


Anfang 2000 lernten sich György de Val und Len kennen. Zu der Zeit gab es von Coloradio Kurse zum Produzieren von Radiosendungen. 2002 beantragten die beiden einen Sendeplatz auf Coloradio und konnten dann im Mai 2003 mit "Spur1" auf Sendung gehen.

2003 musste Len nach Regensburg und das Besuchen der heimischen Plattenläden begrenzte sich auf ein Minimum. Doch ganz ließ ihn das Partygeschehen nicht los. Und da er eh jedes Wochenende in Dresden war, organisierte Len dann aus der Ferne Partys wie "Step Into Dub" (eine der ersten großen Dubstep-Veranstaltungen in Dresden) und "Always Dubstep" in der Schleife bzw. in der Scheune. Bei der letzten von ihm veranstalteten Party in der Schleife war dann u. a. Slaughtermob zu Gast.

Slaughtermob & Len


Auch wenn Dresden immer Lens Heimatstadt bleiben wird, zog es ihn auch stets in die Ferne. Und das nicht nur für 14tägige Urlaube.
Im Sommer 2008 ging es für acht Monate zum Work&Travel nach Japan. Nicht das klassische Work&Travel-Land, doch da es vom kulturellen Aspekt her etwas Exotischeres als Australien oder Neuseeland werden sollte, fiel die Wahl auf Asien.

In Sachen DJing und Musikmachen keine gute Zeit. Zum einen nahm die Arbeit viel Zeit in Anspruch. Zum anderen das Kennenlernen von Land und Leuten. Dabei hat Len bspw. die Erfahrung gemacht, dass in man in japanischen Plattenladen das Vinyl nicht selbst in die Hand bekommt, sondern die Verkäufer einem die ausgesuchten Platten nach Lust und Laune vorspielten und der Kunde mit Kopfhörern auf den Ohren erst mal einfach nur Konsument sein durfte.


Nach einer Zwischenstation in Berlin fand Len dann 2011 zurück nach Dresden. Vom Partymachen und Auflegen noch lange nicht die Nase voll, stürzt er sich jetzt hier voll auf die Wochenendnächte. Noch vor seinem Work&Travel lernte er Brad Pitch im legendären Soulfood Sisters kennen. Man verstand sich auf Anhieb und jammte die Feierabende durch.

Diese Freundschaft überstand die lange Zeit der Abwesenheit und gemeinsam lud zu Veranstaltungen im Sabotage und L'Hibou ein. Musikalisch ging es Richtung UK Funky & Future Bass.

Zusammen mit Brad Pitch verschlug es ihn auf die wirklich legendären Roter-Weg-Parties in Freiberg. Diese Feiern waren die Keimzelle für seine aktuelle Crew. Das N-ICE Kollektiv. In Dresden verschafften sie sich erstmals auf der BRN Gehör und stellten die dickste Anlage auf die Straße ...


Ab 2015 startet Len richtig durch. Dank Studium bleibt viel Zeit zum Organisieren und Auflegen. Helfende Hand und DJ auf dem Ferkhl-Festival, mit eigenem N-ICE-Floor auf dem Feel-Festival, die N-ICE-Partys (z. B. Below The Tracks), der Truck auf der Tolerade im 2017er Sommer, Kollaborationen mit den Synthies, unzählige Nächte im TBA und Sabotage ...

Tolerade 2017

Und es blieb auch immer noch Zeit, musikalisch einer neuen Idee nachzugehen. 2016 kam der Gedanke auf, reine Technosets zu spielen. Es brauchte dafür noch ein weiteres Alter Ego.

Bei einem Besuch in Chemnitz lag eine BRAVO auf dem Tisch und beim Durchblättern stieß man auf die BRAVO-Lovestory. Und da fand er den Alias, mit dem er seiner Idee einer weiteren musikalischen Richtung einen Namen geben konnte ...

... Len Richardson

Len Richardson soll ein Gesamtkunstwerk darstellen. Die Idee hinter dem Projekt ist nicht nur der Fokus auf das reine DJing, sondern es soll den Spaß an der Musik und dem Feiern transportieren. Für gewöhnlich trifft man ihn in flippigen Outfits und mit einem Grinsen im Gesicht hinterm DJ-Pult an. Viel Zeit zum Reden hat er da aber nicht, da Geschwindigkeit im Mixing einen hohen Stellenwert hat.


Gefragt, wo denn Len seine Zukunft in Sachen Veranstaltungen sieht, meint er, dass neben dem Auflegen auch auf jeden Fall das Veranstalten weiter betrieben werden wird.

So hostet er am 11.1.2018 im Rahmen des Thursdaze ein "Len Richardson invites" im TBA und zwei Tage (13.1.2018) später in der Koralle - gemeinsam mit phillson, der erst letztens unsere "Fünf Fragen an ..." beantwortet hat - "Schon wieder, schon wieder".

"Nur" aufgelegt wird am 26.1.2018 "reziprok" in Leipzig, am 27.1.2018 bei Ravin' Ravin' im Sektor Evolution. Und am 3.3.2018 wird Magic Mirsch seine alten Bassplatten bei "Kaleidonox II" aus dem Regal holen. Auch im Sektor Evolution.

Für den 21.4.2018 ist im Sektor Evolution die nächste große N-ICE-Feier festgemacht worden, wo er dann sowohl organisiert, wie auch an den Decks stehen wird..


Die Interviewzeit nähert sich dem Ende.
Wir haben noch einen Wunsch. Nach einem Mix. Einen, ganz speziell nur für banq.de.
Und wir haben ihn bekommen. danqe ❤❤❤ !

Dann unsere letzte Frage. Die nach der für ihn "Besten Feier 2017". Seine Antwort ... ... das "Jungle Beats Festival"


Auf ein spannendes und überhaupt nicht langweiliges 2018. Wir sind sicher, auch in diesem Jahr wird Len Richardson und alle seine weiteren musikalischen Ausprägungen auf Flyern und Postern erscheinen ... Viel Spaß!

Webseite: www.facebook.com/len.richardson.music

Autor: banq.de (09.01.2018)
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