![10.09.2010: "elektrizität sorgt für spannung." von maralunis [banq.de - Kopfbild] 10.09.2010: "elektrizität sorgt für spannung." von maralunis](http://www.banq.de/heads/galerie/2945.jpg)
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°spezialKünstlerportraitRedshape
Auf einen Blick
Jedem, der sich ernsthaft mit Techno und seinen Anverwandten beschäftigt, dürfte in den letzten Jahren unweigerlich das schaurig starre, blutrot glänzende Gesicht von Redshape ins Auge gefallen sein. Dass es sich dabei nur um eine Maske handelt, hinter der er seine wahre Identität verbirgt, dürfte schnell klar werden, wenn man außer den auffälligen Platten-Covern auch einen seiner mitreißenden Live-Auftritte gesehen hat. Doch mehr als mit seiner kuriosen Optik, besticht er durch seine in der Vergangenheit verwurzelte Zukunftsmusik, denn bei Redshape steht das Sein noch vor dem Schein und das Analoge vor dem Digitalen.
Im Jahre 2006 erschien wie aus dem Nichts ein Techno-Phantom auf der Bildfläche, dessen erstes Release auf dem Amsterdamer Vorzeigelabel Delsin sofort für Aufsehen sorgte. Dass es sich jedoch keinesfalls um einen absoluten Newcommer handeln konnte, hört man der Reife dieser Veröffentlichung deutlich an. Vielleicht weckte gerade diese Fundiertheit das internationale Interesse und führte zu den wildesten Spekulationen über die wahre Identität Redshapes. In guter, alter Detroit-Tradition besinnt er sich mit dieser Maskerade auf den Verzicht auf einen personifizierten Starkult und greift auf die Anonymität zurück, die zum Beispiel auch das Kollektiv um Underground Resistance immer bevorzugte. Diese fast vergessenen Ansätze aus der Motorenstadt sind auch musikalisches Programm beim Mann mit der Maske.
Jedoch zeichnet sich Redshape nicht dadurch aus, einfach nur altbewährte Techno-Elemente und immer gleiche 909-Sounds wiederzukäuen, sondern diese ästhetik in die Gegenwart zu teleportieren und zwar mit ganz eigenen stilistischen Mitteln. Dabei verzichtet er darauf, das Rad neu erfinden zu wollen, und versucht stattdessen neue Facetten des Hightech-Souls zu entdecken, um sie in seine persönliche musikalische Sprache zu übersetzen. Endprodukt dieser Interpretationen ist ein Sound, der sich durch eine düstere Atmospäre und rohe Deepness profiliert, aber trotzdem einer emotionalen Komponente und einem gewissen Funk nicht entbehrt.
Auch das international renommierte DVD-Magazine Slices, das viermal jährlich innovative Labels und stilprägende Künstler der elektronischen Musik von Electronica und Downbeat über House bis Techno näher beleuchtet, wurde schnell auf den Ausnahmekünstler aufmerksam. So schien es nur logisch, dass eine der momentan spannendsten Erscheinungen der Techno-Szene näher beleuchtet wird. Doch dass man dem geheimnisvollen Unbekannten sogar ein ganzes Cover-Feature zugestand, beweist, dass Redshape mehr als nur ein ausgeklügeltes Marketingkonzept ohne Substanz ist. Das Schaufensterfiguren-Atelier Mohr in Berlin ist der überaus passende Schauplatz für dieses aufschlussreiche Künstlerportrait über ein Musik-Mysterium, das für Interviews bis dato unerreichbar schien. Im Gespräche mit Holger Wick, dem Chief Editor von Sense Music & Media, gewährt Redshape unter anderem Einblicke in seine Produktionstechniken. So versucht er "die analoge mit der digitalen Welt zu kombinieren", da die Vorteile digitaler Tools bei Mehrspurprojekten unbestreitbar sind, aber analoge Technik für ihn zur Klangerzeugung unerlässlich ist. Besonderes Interesse hegt er für die "physikalische Komponente" wie dem Signalweg in analogen Synthesizern. Im gleichen Atemzug bemängelt er aber auch die weit verbreitete Unwissenheit diesbezüglich und stellt die Vermutung auf, dass diese Unkenntnis auf einer "gewissen Technik-Angst" beruhen könnte.
Erstmalig geht er zudem auf die Vorzüge aber auch auf die Nachteile seine Maske ein: So gibt sie im die Freiheit ungeschriebene Gesetze im Techno-Bereich gezielt zu brechen und vorgefertigte Erwartungen zu enttäuschen, die er zuvor als etablierter Produzent und DJ stets zu erfüllen hatte. Diese neu gewonnene Freiheit genießt er in vollen Zügen und geht ganz spielerisch mit ihr um, ohne die Scharade selbst zu ernst zu nehmen. Auf der anderen Seite erweist sie sich bei Live-Auftritten in kleineren Clubs zwar als wahrer Stimmungsindikator, aber "je besser die Atmosphäre" desto mehr "sammelt sich der Schweiß unter der Maske" und "läuft in die Augen". Trotzdem behält er sie bei jedem öffentlichen Auftritt eisern auf, denn Mythen und Legenden verlieren ihren Charme, sobald man sie gelüftet hat.
thamash (19.01.2010)
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