[banq.de - Kopfbild] 29.07.2014: "hk philharmony" von anja
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Künstlerportrait

The Return of Günther Jahbowski

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Künstlerportrait

The Return of Günther Jahbowski

Vor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...

Auf einen Blick
Was
:
Coq au Vin
Wer
:
Günther Jahbowski + JkUBE + Pfadfinderei + Tanzatelier Kokü
Wann
:
Freitag, 21.12.2012 | 22 Uhr
Wo
:
Groovestation/ Dresden
Freikarten
:
3x2

Genie, Wahnsinn, Treppenwitz - eine Person: Günther Jahbowski. Der bekennende Liebhaber zeitgenössischer Bassmusik und gut abgehangenem Dubspeck beehrt erneut die Groovestation. Günther schließt seine Weltuntergangstournee exklusiv in Dresden ab, alongside JkUBE am Kontrollturm und der Berliner Pfadfinderei an der Flimmerbox. Die kennt man von ihren Arbeiten für Modeselektor, Apparat und Florian Silbereisen. Die Herren Kokü laden herzlich zu diesem Spektakel ein und stehen dabei natürlich auch selbst an den Plattendrehern...

Bereits letztes Jahr gab uns Günther Jahbowski in einem Interview Einblick in sein bewegtes Leben – und auch dieses Mal hat er sich die Zeit geraubt, um uns von seinen Abenteuern ausführlich zu berichten. Doch schaut und lest am besten selbst!


Tanzatelier Kokü: Guten Abend Günther. Schön dich zu sehen. Bevor wir hier mit den Fragen zu deiner ja turbulenten jüngsten Vergangenheit loslegen: Wie gefiel es dir letztes Jahr bei uns in der Groovestation...?
Günther Jahbowski: Guten Abend. Auch schön euch wieder zusehen. War ja eine ordentliche Sause. Volles Haus, wundervolle Menschen. Immer wieder bewegend zurückzukommen. Aber wo Sonnenschein da auch Schatten. Der Hexenkessel den wir da angefeuert haben, schien ja dem örtlichen DJ Polizisten unangenehm aufzustoßen. Neidige Blicke, dicke Hose, langes Gesicht. Kenn ich, hake ich ab unter: When sounds clash, the cat gets the shakes. Soll die dicke Katze doch kommen...

Günther Jahbowski | 21.12.12 Dresden | banq.de-Spezial

Tanzatelier Kokü: Nun. Lassen wir doch die alten Kamellen und schauen nach vorne. Oder besser: nicht allzu weit zurück. Was hat‘s denn nun mit deinem „Antifa Bambaataa“ Soundsystem auf sich?
Günther Jahbowski: Bei euch in Dresden habe ich ja meine letzte Welttournee beendet und, das wussten viele nicht, die neue Weltuntergangstournee begonnen. Fünfter Tourstop war Schwerin und da bin ich dann erst mal geblieben. Nicht für länger, nur zwei drei Monate. Nach dem ich aus Japan überstürzt abreisen musste ist das auch ein angenehmer Ort um erstmal untertauchen und fokussieren. Das hatte ja schon 2003 gut geklappt als ich dort in der alten VEB Fortschritt Kantine runtergepitchte olle dubplates gespielt habe. Die sind noch aus alten Hornufs Heiße Hitdisko Zeiten übriggeblieben. Was anderes konnte man da auch nicht spielen weil die Faschos die Hochtöner zerdeppert haben. Idioten. Was blieb waren 12 Bassboxen, ein paar kaputte Hochtöner und ein Loch von Club in einem Loch von Ort. Die Veranstaltung habe ich dann wöchentlich durchgezogen, Sonntagvormittag. Hab sie, der Location wegen, VEB Dubschritt genannt und zwei Freunde, die aus London da waren, sind nicht mehr geworden. "So unique, Günther, so deep, really heavy sound. You invented something big". Ich dachte die spinnen und dann machen die in London einen Club auf, nennen den Forward anstatt Fortschritt und die Musik Dubstep anstatt Dubschritt. Sollen sie machen, dacht ich. Geht eh keiner hin und ... Dubstep, wie das schon klingt. Ich sollte wie immer rechtbehalten.


Günther Jahbowski | 21.12.12 Dresden | banq.de-Spezial VEB Dubschritt. Heute wieder unter Denkmalschutz. Der Glanz vergangener Tage ist noch deutlich sichtbar.

Tanzatelier Kokü: Aber was war jetzt mit deinem neuen Soundsystem...
Günther Jahbowski: Achso, ja. Eigentlich schnell erzählt. Der VEB Dubschritt wurde nach meinem Weggang 2004 zugemacht und das LPG Gelände zu einem Wehrmachtsmuseum. Als ich dieses Jahr wieder da war habe ich aus meinem alten Keller die letzten 20 Kisten von meinem 2001 erschienen Buch "Righteous Anschiss - Schwerin ist überall" rausgekramt und auf dem Wochenmarkt verkauft. Um den Leuten den Inhalt näher zu bringen habe ich dann das letzte olle Dubplate raus gekramt, es auf der letzten intakten Bassbox laufen lassen und die wachrüttelnden Texte laut und durch den Vocoder geschleift, vorgelesen. Ein Exportschläger vom feinsten. Ich hab schleunigst meine Beine in die Hand genommen und meine Tour fortgesetzt. Dann alles wie immer: in Berlin die nächsten Shows gespielt, immer größere Clubs, Hallen, Arenen. Antifa Bambaataa an jeder Litfaßsäule, Südamerika Tour, das Buch in 23 Sprachen übersetzt und das Sonar abgesagt weil einfach nix mehr ging. Zu fertig, ausgebrannt.

Tanzatelier Kokü: Das war dann Juni, oder. Die Presse war ja voll davon. "Jahbowski zusammengebrochen!!" Die Spex, sonst ja nicht um reißerische Titel bemüht wehklagte "Hängt Günther die Platten an die Nadel?" - Was war genau los?
Günther Jahbowski: Ach das hat alles total genervt. Das viele Rumgedschette, die ganzen Radiotermine, Interviews. Dazu fehlt mir einfach der Atem. Ich brauchte einfach wieder Zeit für mich und meine Musik. Das viele Auflegen, immer das eine olle Dubplate, das schon in der Hitdisko ziemlich runter war... Diversity auf dem Dancefloor geht anders.

Tanzatelier Kokü: Und dann die Sache mit der Adenauer Stiftung...
Günther Jahbowski: Ach die Geschichte. Zurück in Berlin habe ich dann wieder einen Club aufgemacht. Nichts großes, eher gemütlich, 300 Leute. Für mich, meinen Sound. Das lief blendend. Für mich. Ich hab jeden Abend aufgelegt, riesige Schlange vor der Tür, horrende Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt, aber ich hab keinen rein gelassen. Die Leute haben sich Hörgeräte gekauft um den Sound zu verstärken der nach draußen durchkam. Super Partykonzept. Habs dann einfach Konterfete genannt und nur Tangled Lines Kassetten und Cypress Hill CDs gespielt. Das hat dann die Adenauer Stiftung spitzgekriegt, die sich ja immer freut wenn einer versteht wie man mit künstlicher Verknappung umgeht. Den Preis habe ich dann auch entgegengenommen, mich jedoch in meiner Festrede über "Pre-apokalyptischen Destruktivismus" derart verhaspelt dass ich roten Kopfes vom Podium fliehen musste... Hätte ich eh lassen sollen. Pfeifenverein.

Tanzatelier Kokü: Das hatte trotzdem weitreichendere Folgen als du erahnen konntest...
Günther Jahbowski: Du willst auf die ZKM Nummer raus?!
Tanzatelier Kokü: Ja. Lass mal hören.
Günther Jahbowski: Peter Sloterdijk und Peter Weibel haben die Übertragung meiner Rede im Fernsehen gesehen. Bazon Brock auch, aber dieser Fatzke hat es einfach nicht zugeben wollen. Der Sloterdijk hat dann gleich darauf am nächsten Morgen angerufen und gemeint, die richten mir rückwirkend zum 1.1.2012 einen Lehrstuhl für "Pre-apokalyptischen Destruktivismus" am Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe ein. Da ich alle DJ-Gigs bis zum 21.12. abgesagt hatte, dachte ich mir: "Warum nicht."

Tanzatelier Kokü: Wie müssen wir uns das vorstellen. Deine akademische Laufbahn war je bisher eher musikwissenschaftlich.
Günther Jahbowski: Ich hatte plötzlich 23 Studierende mit denen ich mich auf den Weltuntergang vorbereiten konnte. Das war ganz praktisch. Die wurden in Karlsruhe "Die Zeugen Jahbowskis" genannt. Hauptsächlich haben wir erforscht wie man aus Apokalyptus Bäumen ein Raumschiff bauen kann um dem ganzen Scheiß hier zu entfliehen bevor alles am 21.12. in die Luft fliegt. Da wir uns ja laut Lehrplan mit Destruktivismus auseinandersetzen mussten, hab wir einfach alles verbrannt, bis auf die Stapel teuer eingeführtes Apokalyptus Holz. Es blieb einfach nix anderes mehr übrig um unsere Space Arche zu bauen, außer eben Apokalyptus Holz. Das Bild "Mit dem Einbaum ins All", dass ich nie gemalt habe, zeigte deutlich den zu beschreitenden Weg auf. Weibel und Sloterdijk, den alle englischen Studenten immer fragend "Slut or Dick" nannten, haben sich aus lauter kulturbürgerlicher Abschiedsangst auf ihrem Weinberg mit Tonnen Dosenravioli eingekellert und zählen wohl noch heute ihre hart erdachten Taler. Im Rückblick war es aber Friedrich Liechtenstein, der, als zugegeben ziemlich fortgeschrittener, Student, mit seiner kreativen Totalverweigerung und seinem Summa cum Laude Abschluss wirklich wegweisend für den Studiengang steht. Generell eine tolle Zeit, die mich von diesem ganzen Musikbusiness abgelenkt hat. Als ich wieder zurück nach Berlin bin habe ich die Koalas, die einer der Studierenden als Besatzung angekauft hat, mitgenommen und in der Hasenheide in die wohlverdiente Freiheit entlassen. Was sollen die auch in Karlsruhe?

Günther Jahbowski | 21.12.12 Dresden | banq.de-Spezial Eine der letzten unberührten Apokalyptus Heine in der Nähe von Saalfeld. Die radiale Buckelung am unteren Ende neigt sich immer Richtung Weltuntergang und wird seit 3000,- Jahren für den prophylaktischen Bau von Weltallkanus eingesetzt.

Günther Jahbowski | 21.12.12 Dresden | banq.de-Spezial Eine frühe Bleistiftskizze zum Triptychon "Mit dem Einbaum ins All". Bildrechte bei der Stiftung Krupp.

Tanzatelier Kokü: Und dann?
Günther Jahbowski: Nix. Da habe ich wieder Musik gemacht. Mich wieder der Oper gewidmet und nach Jahrzehnte langem Verweigern an meinem Opus Descendi weitergearbeitet. Den wollte ich vor dem großen Weltfinale noch beenden. Die Geschichte geht grob um einen charmanten Jüngling, Juan, der sich im Strudel eines in ein Wurmloch fliegenden Kanus ... das führt zu weit. Die Rolle habe ich jedenfalls wieder Friedrich Liechtenstein auf den Leib geschrieben. Ich habe eine CD-R gebrannt und mit einem Heißluftballon in die Stratosphäre steigen lassen. Wenn also die Welt kollabiert, das Ding ist safe.

Tanzatelier Kokü: Daher dein nom de plüm „Armageddon Juan“?
Günther Jahbowski: Sicherlich. Das hat ja das Feuilleton gern aufgenommen. Dieser Schindluderverein freut sich ja immer wenn´s mal wieder auf der Wortspielebene Sinn macht. Ich finde ja Armageddonna Summer besser. Das hat sowas sonniges und gewinnt dem Fakt dass die Welt bald in sich zusammensackt etwas wohlig Warmes ab.

Tanzatelier Kokü: Du spielst aber keine Opern bei uns. Dir ist schon bewusst dass es sich um eine Clubnacht handelt...
Günther Jahbowski: Die Oper ist im All, das Tonband gelöscht und mein Kortex wieder frei für hüftorientierte Bassraketen. Wollte ja wieder nur die Tangled Lines Kassete spielen. Habe aber das Gefühl bei euch da eher auf Kopfschütteln zu stoßen. Ich glaube viel Bass, eingebettet in eine abwechslungsreiche Selektion und meine unverwechselbaren DJ Skills werden die jungen Leue schon aus ihrer WG Reserve locken.

Tanzatelier Kokü: Sicher? Gleich die Straße runter legt Erobique auf.
Günther Jahbowski: Wer?

Tanzatelier Kokü: Ist egal. Kennt eh keiner. Was ist eigentlich mit deinem Bewegtbild-Jockey. Hat der was vorbereitet
Günther Jahbowski: Ja sicher. Der kommt ja aus der Pfadfinderei, einer Art Heilerziehungsanstalt für gescheiterte Designstudenten. Die machen da den ganzen Tag nichts anderes als sich vorbereiten. Als ich letztens mal vorbeigeschaut habe, saßen alle an einem Tisch und haben ihren Rucksack gepackt um rechtzeitig am Berg zu sein wenn der Große Apokalyptus Einbaum vorfährt. Das sind Profis. Da mach ich mir keine Sorgen.

Tanzatelier Kokü: Günther Jahbowski: Nein, ich sag euch lieber den fünften Track. Ich lass mich ja immer vom Vibe und der Tageslaune treiben. Hat letztens auch großartig funktioniert. Außerdem ist ja noch JkUBE dabei und der hat trotz Verbannung an den Kontrollturm ein Wörtchen mitzureden...

Günther Jahbowski: Um nicht alles zu verraten, einer dieser Tracks wird der fünfte sein...

Glitch Mob - Fistful of Silence (Live edit @ Konterfete 2012)
RSD - Speaka Box
Jamie XX - Far nearer
The Bug - Murder we (VEB Dubschritt Rerub)
Chromeo - Night by night
Deadbeat - X-Berg ghosts (Berghain Drum Jack)
Demdike Stare - irgendwas
Klimaxx - Wild Girls
Misfits - All Hell breaks Loose
Comfort Fit - Sky Raper (GünJah Drum+Snare Refix)
Goldner Anker - Stereo (Günther Jahbowksi Monomix)

Tanzatelier Kokü (19.12.2012)
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