[banq.de - Kopfbild] 27.08.2014: "not named" von thamash
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Künstlerportrait

Günther Jahbowski

Vor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...

Auf einen Blick
Was
:
Coq au Vin
Wer
:
Günther Jahbowski + JkUBE + Pfadfinderei + Tanzatelier Kokü
Wann
:
Freitag, 16.12.2011 | 22 Uhr
Wo
:
Groovestation/ Dresden

Günther Jahbowski - der selbsternannte Conquering Lion of Hermannplatz - kehrt endlich nach Hause! Wir begrüßen ihn als Gast unserer Reihe „Coq au Vin“ am 16.12.2011 in der Groovestation. Seit einigen Jahren ist Günther in Berlin einer der aktivsten Collectors trans-europäischer Clubmusik mit Fokus Bass. Bei einem seiner seltenen Sets wird Günther einen bunten Blumenstrauß aus Abstract Beats, Dubstep, Contemporary Disco und Salt´n´Peppa spielen. Ihm zur Seite steht „Electronic Beat Wizzard“ JkUBE aus Leipzig, der den Abend mit einem Live-Set einläutet. Visuelle Unterstützung kommt von SHOC, international geprüfter Bewegtbildjockey aus der „Pfandfinderei“ Berlin.

Verantwortlich für diese turbulente Melange sind als Gastgeber die Herren Kokü, die sich bei Günther Jahbowski bei einem Glas Coqnac und einem guten Dutzend mexikanischer Zigarillos im folgenden Interview über seinen Werdegang erkundigten.

Tanzatelier Kokü: Günther, du bezeichnest dich selbst als den Conquering Lion of Hermannplatz...
Günther Jahbowski: Ja - da gibt‘s auch ne kleine Geschichte dazu. Alles fing damit an, dass ich 1998 kurzfristig meine Wahlheimat Surinam verlassen musste und in Berlin Tegel ankam mit nix außer Handgepäck! Wer sich erinnert wird‘s wissen: damals war Handgepäck noch nicht halbausgewachsenes Sperrgepäck - sondern, wie auch in meinem typischen Fall, ein Stoffbeutel mit Brotbüchse, Merve Heftchen, Rosenkranz und Kaugummis…
Fortan arbeitete ich in Berlin am Hermannplatz. Hauptsächlich beschäftigte ich mich mit drogenabhängigen Menschen und wurde schnell ziemlich reich und mächtig. Im Jahr 2000 wurde mir von Heinz Buschkowsky persönlich der Titel „Conquering Lion of Hermannplatz“ verliehen. Musik hat das wenig zu tun. Eigentlich auch zu persönlich. Nächste Frage bitte!

Tanzatelier Kokü: Wir kommen also lieber zum Musikalischen - Weshalb bist du DJ und kein Cellist?
Günther Jahbowski: Ach - hier muss ich etwas weiter ausholen. Zwischen 2002 und 2004 war ich ja acht Jahre lang als Cellist verschiedener Ensembles in der ostsächsischen Provinz unterwegs. Eine harte und entbehrungsreiche Zeit, geht man von den Reichtümern und Vergünstigungen aus die ich in Berlin hatte, das ich mal wieder überstürzt zurückließ. Es begab sich nun, dass ein den Lesern sicherlich bekannter Barrio Katz, der damals noch unter dem Namen „Hornufs heiße Hitdisko“ zwischen Zittau und Döbeln jeden noch so kleinen Saal bespielte, Sonnabend kurz nach dem Kaffetrinken Durchfall bekam. Das Sorbische Nationalensemble, mit dem ich das von mir bereits in Surinam komponierte Sonett 87b für Cello und Bratsche uraufführen sollte, war gleichsam in Oybin zu Gast und man wandte sich spontan an mich. Meine weltläufige Expertise in Sachen Unterhaltung und Musikgeschmack eilte mir wieder voraus. Da Hornufs heiße Hitdisko regelmäßig nicht länger als bis 19.30 Uhr ging, konnte ich meine Verpflichtungen am „Ensemble“ im Anschluss trotzdem wahrnehmen. Je ein, laut SZ, „fulminantes Ereignis“, dass die lokale E-Musik einerseits und U-Musik andererseits nachhaltig veränderte! Ich fühlte mich nicht mehr gebraucht. Das Cello-Spielen hing ich an den E-musikalischen Nagel und übernahm fortan Hornufs heiße Hitdisko, die unter meiner Regie zum einem der führenden Soundsystems Nordosteuropas avancierte. Vier Jahre später - wieder ohne finanzielle Sorgen - kehrte ich zurück nach Berlin.


Günther Jahbowski | 16.12.11 Dresden | banq.de-Spezial Günther Jahbowski, gemeinsam mit Hornuf Junior und dem damals noch unbekannten Alexander Uhlig beim Soundcheck zum 45. Großen Fassbrausen in Luckenwalde (2004).

Tanzatelier Kokü: Wir erinnern uns lebhaft. Hornufs heiße Hitdisko war einfach der Knaller! Heutzutage sind deine Sets jedoch eklektischer und gespickt mit elektronischer Musik - genauer - synthetischen Bässen. Weshalb reicht dir analoger Bass nicht aus?
Günther Jahbowski: Während meiner Zeit am „Ensemble“ unterhielt ich eine stürmische Liebesbeziehung zur zweiten Kontrabassistin. Ein einschneidendes Erlebnis in meiner Biographie, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nahezu keusch lebte und ob meiner Liebe zur Kunst und zu ALLEN Menschen mich nicht auf eine Person fokussieren mochte. Es zerbrach klassisch: Tränen, Beschuldigungen, entschiedene Dementi bezüglich des Kindes und eine Taxifahrt solo nach Prag…
In meinem emotionalen Exil, zerfressen von Sehnsucht und Verlangen nach dem tiefen Brummen und der taillierten Ausformung ihres Instrumentes, wandte ich mich der computergestützten Musik zu. Da ich aber keinen Computer besaß, konnte ich mich nur in der Prager Nationalbibliothek mit der neuen Technik vertraut machen. Dort entdeckte ich die tschechische Lautmalerei für mich, die auch als „Böhmisches Brummen“ bekannt ist. Die Prager waren damals schon multimedial vorneweg und man konnte sich die Gedichte vom Computer vorlesen lassen. Ein Moment der Erleuchtung durchfuhr mich, als ich das Werk „Lopata Tiwolee“ von Petr Štembera eingab. Das synthetische Rauschen und tiefe Wummern der P-, B- und R-Laute küsste die innere Liebe zum Bassbrummen meiner zurückgelassenen Liebe wach! Bereits in Prag begann ich unter dem Pseudonym "Ingo Dubinsky" intensiv das bis dahin unbekannte Genre "Dronestep“ zu etablieren. Nachdem sich BBC, D.Radio und MTV nach dem Abschluss der Dronestep-Trilogie überschwangen, blieb ich noch weitere drei Monate in Prag und genoss das viele Geld aus den Werbeverträgen.

Günther Jahbowski - Dronestep Chapter 3

Günther Jahbowski | 16.12.11 Dresden | banq.de-Spezial Der Bereich Medien und Internet der Prager Nationalbibliothek. Im Vordergrund erste physische Prototypen der heute bekannten Ladebalken!

Tanzatelier Kokü: Daher also deine liebe zum Brummen. Du legst ja auch mit echten Vinylscheiben auf - da brummts ja auch oft! Wir dachten ja immer der Sync-Button und Du, ihr seid in Berlin zuhause...?!
Günther Jahbowski: Naja - Ja! Tatsächlich eine sehr gute Frage. Nach meinem kurzen Intermezzo in Tschechien, was mich noch ans Institut für zeitgenössische Trink- und Singkultur Budweis führte, verließ ich Böhmen und nahm den Ruf der Universität der Künste in Berlin an. Ich übernahm ein kleines Anwesen in Rixdorf und unterrichtete als ordentlicher Professor zeitgenössische Cellistik und angewandte Lautmalerei. Im Rahmen eines Symposiums zur Rolle des Cello in Kunst und Kultur seit Dada an der AdK lernte ich Daniel Haver und Mate Galic kennen, die gerade an einer Soft- und Hardwarelösung für DJ´s arbeiteten. Ich riet Galic bei einem Kaffee im Foyer, er solle tunlichst darauf achten, dass der erratische Moment des Auseinanderlaufens zweier Vinylplatten nicht verloren gehe. Lang erzählte ich ihm von meinen vier Jahren als DJ bei Hornhufs heißer Hitdisko und wie ich diese Form des Musikauflegens zur Perfektion brachte. Auch der von mir geprägte Begriff des "Naive Instruments" als Bezeichnung für rechnergestützte Klangerzeugung schien ihnen einleuchtend. Bereits nach dem vierten Pernot, wir siedelten über in den „Anzengruber“, wurde Galic laut, schrie wie ein Irrer und verließ türenschlagend das Lokal. Ähm - Was war nochmal die Frage?


Tanzatelier Kokü: Nicht so wichtig lieber Günther. Aber, womit willst du das Dresdner Publikum überraschen, um nicht in Vergessenheit zu geraten?
Günther Jahbowski: Ha! Für eines dieser seltenen Gastspiele in meiner alten Heimat habe ich mir Unterstützung hinzugeholt. Ein von mir sehr geschätzter Kollege des Bewegtbildkollektivs Pfadfinderei wird während meines DJ-Sets einen visuellen Kurzvortrag mit anschließender Demonstration zur Rolle der sich selbstgenerierenden Vektorgraphik halten. Zudem wird JkUBE, gefeierter Remix-Künstler und Dub-Ingenieur aus Leipzig, mit einem kurzen Entre Cote wirrer Beats und Vier auf die Vier mit von der Partie sein. Generell sehe ich mein Engagement als kuratorische Praxis und stelle meine Person gänzlich in den Hintergrund. Stücke werden möglichst ausgespielt oder erratisch auseinandergeblendet. Stilistisch wird vor der Pause eine Selektion bassfokussierter zeitgenössischer U-Musik dargeboten. Nach der Pause auch. Die Tempi variieren zwischen holprigen 65 und quirligen 141 Schlägen je Minute und regen zur physischen Ausgelassenheit an. Abschließend reduziere ich die stilistischen Elemente auf punktuelles bis flächiges Dröhnen.

JkUBE - thx4chill Webmix

Pfadfinderei - Art in Motion Teaser

Pfadfinderei & Modeselektor – Concrete Jungle

Tanzatelier Kokü: Warum sollte man deiner Party fern bleiben?
Günther Jahbowski: Das ist eine gute Frage, wenn auch ungünstig formuliert! Ich fühle mich als Gast und somit zu Hause. Die Party „schmeißt“ ja ihr. Homophobes, sexistisches, rassistisches und artverwandtes Pack kann getrost „heemebleim“. Personen mit Hang zur Bierernstigkeit sowieso. Dieser eine Typ - wie heißt er noch, der immer um Fünf das Licht anmacht - der auch!

Tanzatelier Kokü: Apropos Licht an: Günther, der letzter Track des Abends?
Günther Jahbowski: Mit Verlaub die schwierigste Frage! Ich antworte mit einer Hitliste:

10. mike and brenda sutton - don´t let go (grab my hips and move me) - sam records 1982
09. goldner anker - only you - skd 2011
08. pinch und shackleton - torn and submerged - honest jon 2011
07. jahmiga - porque te dub - jahmiga 2010
06. barrington levy - many changes - jah guidance 1988
05. zomby -Basquiath - xl records 2011
04. death - infernal death - under one flag 1987
03. new order - 5 - 6 - 8 - peel sessions 1986
02. falco - urban tropical - gig records 1985
01. alva noto - xerrox phaser acat1 - raster noton 2009

Tanzatelier Kokü (12.12.2011)
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