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Künstlerportrait

Baaz & Knarf Skipson

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Künstlerportrait

Baaz & Knarf Skipson

Vor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...

Auf einen Blick
Was
:
Quintessentials Night
Wer
:
Baaz & Knarf Skipson vs. Hombres Discos & Sören Matschiste
Wann
:
13.03.2010 | 22 Uhr
Wo
:
Titty Twister, Dresden
Freikarten
:
2x1

Vom Südwesten Deutschlands zogen Baaz & Knarf Skipson einst aus, um mit ihrem deepen House-Sound auch national Musikliebhaber zum schwelgen zu bringen. Jedoch sorgten sie mit ihren ersten Releases bei Sthlmaudio in der Schweiz und besonders bei dem britischen Aushängeschild Quintessentials sogar gleich für internationale Aufmerksamkeit. Mit uns sprachen die beiden Wahlberliner über „Neo-Deephouse“, die „Alte Schule“ und die wunderschöne Zeitlosigkeit, die Musik innehaben kann.

Thamash: Euch hat es ja beide mittlerweile in die bundesdeutsche Hauptstadt verschlagen. Hatte das auch musikalische Gründe? Ist Berlin etwa die eigentliche Deephouse-Hauptstadt Deutschlands?
Baaz: Deephouse-Hauptstadt würde ich nicht sagen aber Hauptstadt für Undergroundmusic in jeglicher Stilrichtung auf alle Fälle. Es ist einfach einiges geboten - für jeden Geschmack, ob weitab vom oder voll im Mainstream. Das war definitiv schon einer der Hauptgründe für mich, hier her zu ziehen, genauso auch der musikalische Austausch unter Künstlern, der hier in der Stadt möglich ist. Man hat einfach das Gefühl man ist ein bisschen näher bei der Sache. Wir sind ja eigentlich echte Landeier. Aufgewachsen im Umland von Würzburg und später dann nach Würzburg gezogen.
Wenn wir uns mal was anhören wollten, dass uns persönlich musikalisch anspricht, mussten wir ca. 90 min bis nach Frankfurt/Offenbach fahren. Das klingt jetzt nicht unbedingt weit entfernt, aber man überlegt da schon eher zweimal ob man sich den ganzen Akt antun möchte. Sobald du sechs Monate in Berlin lebst, wird es schon fast zur Normalität, dass du mal schnell rüber ins Berghain gehen kannst um dir Omar S oder Jus–Ed anzuhören. Das sollte man wirklich nicht vergessen wertzuschätzen.
Knarf Skipson: Für mich hatte der Umzug viele Gründe, natürlich auch die von Baaz bereits erwähnten. Dazu kam auch noch, dass mich Würzburg einfach gelangweilt hat und meine Freundin in Berlin Arbeit gefunden hat. Aber als Deephouse-Hauptstadt würde ich Berlin auch nicht bezeichnen. Als Musik-Hauptstadt schon eher.

Thamash: Der Berliner Don Williams, Kopf des Deephouse-Labels „Mojuba“, hat mal zu mir gesagt, dass elektronisches Musik nicht zwingend mit Innovation verbunden sein muss und statt krampfhaft das Rad neu erfinden zu wollen, hält er es für viel wichtiger, sich auf echte Deepness und Qualität zu konzentrieren. Ist das in etwa auch euer Ansatz bei der Produktion, lieber altbewährt solide als gezwungen neuartig klingen zu wollen?
Baaz: Auf jeden Fall. So kann man das schon beschreiben. Irgendwas neu zu erfinden war nie mein Ansatz. Ich finde es kann ruhig neuartig klingen, dann aber schon speziell und mit Charme. Ein gewisses Maß an Qualität ist natürlich auch wichtig. Was mir in letzter Zeit immer mehr auffällt sind diese ganzen Neo-Deephouse Produktionen. 909 Kick, Clap und High Hat-Sample und fertig ist der Salat. Sozusagen mal schnell versucht auf den House-Zug aufzuspringen. Obwohl die Produktionen an sich stellenweise immer besser werden, bilde ich mir ein den Unterscheid zwischen solchen und fundierten Sachen leicht rauszuhören.
Knarf Skipson: Ich finde erstmal, dass man nichts im Leben zwanghaft machen sollte. Am Besten ist es immer, 100% man selbst zu sein. Mein Ansatz bei der Musik ist auch auf keinen Fall das Rad neu zu erfinden, aber viele Platten aus früheren Tagen sind heute mehr up to date als denn je. Diese Leute waren damals ihrer Zeit weit voraus. Hätten diese Künstler sich nur auf alte Werte beschränkt, wäre die Musik von heute nicht wo sie momentan ist.
Natürlich gibt es altbewährte Elemente, Rhythmen und Ansätze die sich nach so langer Zeit als zeitlose Konstante durchgesetzt haben, aber es sollte doch jeder immer noch seine eigene individuelle Interpretation einfliessen lassen. Auf diese Weise hat sich die Musik schon immer weiterentwickelt und neu erfunden. Nicht zwanghaft, sondern ganz automatisch. Ob es Hip Hop, Techno oder House war.
Alles neue war meistens nur eine moderne bzw. frische Interpretation des Alten. Von daher ist meiner Meinung nach Innovation und auch Individualität sehr wichtig und Künstler im allgemeinen sollten einfach das machen, was Ihnen gefällt und Spaß macht.
Darum geht es doch in erster Linie, egal auf was man sich bezieht oder auch nicht und so entsteht auch automatisch Neues.

Thamash: Was ist aber euer Rezept, um dabei nicht einfach nur nostalgisch zu werden und die gute alte House-Elemente bloß zu kopieren, sondern eure eigne Definition dieser Ästhetik in die Gegenwart zu transferieren?
Knarf Skipson: Mein Rezept, wenn man das so nennen will, ist wie eben schon erwähnt, nicht zwanghaft etwas zu versuchen, sondern einfach zu machen was gefällt. Zeitlosigkeit z.B. ist mir auch sehr wichtig. Ich bin sehr inspiriert von zeitloser Musik und selbst beschäftige ich mich immer sehr lange mit einem Track. Wenn mir mein eigenes Stück nach Wochen oder Monaten des Bastelns noch immer nicht auf die Nerven geht, dann geht das Anderen hoffentlich auch so. Und was nicht nervt, klingt meistens frisch.
Baaz: Bei mir gibt es da kein wirkliches Rezept. Das geht ganz von alleine. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass meine Einflüsse aus verschieden Richtungen kommen. Wenn man es jetzt mal auf den Techno/House-Bereich reduziert, interessiert mich zum Beispiel genauso, was wohl als nächstes auf Perlon, Meanwhile, Rushhour oder KDJ Records passiert, sowie was eben vor 15 Jahren auf Prescription oder KMS passiert ist. Das alles, also verschiedene moderne Sachen, plus alte Schule vermischt sich in mir und findet sich dann auch in meinen Produktionen wieder.

Thamash: Alex Attias von Compost Records kommentierte Knarfs erste Solo EP, die letztes Jahr auf Quintessentials erschienen ist, ganz ähnlich und als Zusammentreffen von Old und New School. Bestätigt diese Aussage deinen Interpretation von Deephouse, Knarf?
Knarf Skipson: Doch, würde ich so unterschreiben.

Thamash: Und hast du, Baaz, es genau mit diesem Ansatz geschafft, dass Daniel Bell sein schon lange auf Eis gelegtes Sublabel ?levate nach fast 10 Jahren für ein Release von dir wieder aufgetaut hat oder was hat deiner Meinung nach zu diesem Ritterschlag geführt?
Baaz: Gute Frage! Vielleicht. Mein Ansatz hat sich seitdem nicht geändert.
Ich glaube, Daniel ist durch meinen Track „Even“, der auch mit auf dem Elevate Release ist und damals auf meiner Myspace Seite anzuhören war, auf mich aufmerksam geworden. Wo ich sonst hauptsächlich auf den gewissen Groove geachtet habe, habe ich bei „?ven“ noch sehr emotionale String-Sounds mit einfließen lassen. Als ich dann plötzlich eine E-Mail im Bezug auf diesen Track für Elevate von Daniel Bell im Posteingang hatte, ist mir erst mal die Kinnlade runtergeklappt und ich habe mich riesig gefreut! Ab dem Zeitpunkt habe ich mich ordentlich ins Zeug gelegt um noch ein paar Sachen für eine komplette 12“ hinterher zuschieben. Nach ein paar Demos, ca. 1 Jahr später hat es ja dann auch geklappt.

Thamash: Ihr beiden seid ja auch alte Jugendfreunde und tretet auch bei euren Solo-Releases des öfteren als Co-Produzent des Anderen auf. Hat das einen speziellen Grund? Kann der eine etwas besser als der Andere oder wodurch ergänzt ihr euch?
Baaz: Ja, wir kennen uns schon seit ber 15 Jahren! Ich würde sagen Knarf ist ein bisschen mehr für die funky- oder hip hop-artigen Elemente zuständig. Seine Einflüsse kommen von Labels wie Classic, Produzenten wie Derrick Carter oder eben auch Hip Hop. Das kann man seinen Produktionen oder DJ-Sets auch ganz gut anhören. Ich hingegen packe dann auch gerne mal deepe Elemente wie Rhode Sounds, Pads oder Strings darüber. So ergänzen wir uns dann mit den Einflüssen aus den verschieden Genres.
Knarf Skipson: Der Grund bzw. Anstoß für unsere erste Zusammenarbeit, war zum einen auch, dass wir in all den Jahren, in denen wir uns kennen, meistens die selben Interessen hatten und auch außer Musik schon immer fast alle unserer Leidenschaften geteilt haben. Zum anderen kam dazu, dass mich das Produzieren erst später als Baaz in seinen Bann gezogen hatte. Als es dann bei mir langsam losging, hatte ich nur einen Drumcomputer, mit dem ich zwar schon Beats programmiert hatte, um jedoch die Beats zum Track werden zu lassen, musste ich mir erstmal die Unterstützung von Baaz holen. So kam dann quasi auch die erste Zusammenarbeit und gleichzeitig unser erster Track "still working" zustande.

Thamash: Genau, zusammen habt ihr ja für die „In The Streets“-Compilation auf Deep Vibes erstmal auch das Kollaborationspseudonym „?uks“ verwendet. Was war der Grund, nun auch einen eigenständigen Namen für eure Zusammenarbeit zu nutzen und wofür steht er eigentlich?
Baaz: Wir saßen an einem Abend zusammen bei mir zu Hause und haben einfach mal ein bisschen herum getüftelt. Irgendwie hat es gegrooved und wir hatten unseren Spaß. Ca. drei Sitzungen später stand dann der Track.
Knarf Skipson: Als dann „still working“ auch noch gesigned wurde, musste natürlich ein Pseudonym her. „Baaz und Knarf Skipson“ wäre etwas langweilig gewesen, da lag Buks als Kurzform am Nähesten.

Thamash: Werden uns da in Zukunft weitere Buks-Releases erwarten und vielleicht sogar ein Liveact-Duett oder wollt ihr euch erstmal auf eure Solo-Projekte konzentrieren?
Baaz: Im Moment arbeitet jeder für sich alleine, was aber nicht heißt, dass nicht mal wieder was von uns zusammen erscheint. Wir sind eigentlich fast im täglichen Austausch was eigene Sachen und Musik im allgemeinem betrifft. Für die nächste Zeit möchte ich mich erst mal auf meine eigene Produktionen konzentrieren. Ein Ambient/Downbeat-Album in CD-Format für Sthlmrecordings ist momentan in Arbeit. Das nimmt mich gerade voll und ganz in Anspruch. Aber ein Liveact-Duett war bis jetzt noch gar nicht im Gespräch. Knarfi, was meinst du dazu?
Knarf Skipson: Konkret geplant ist nichts, aber es wird sicherlich wieder mal was gemeinsames geben. Ich für meinen Teil hätte schon mal wieder Lust auf eine Buks-Connection. Aber ich glaube nichts liegt weiter entfernt als ein gemeinsames Liveset. Mein eigenes steht ja noch in den Sternen. Außerdem steht Anfang April auch erstmal meine neue EP „the skip“ mit einem Sascha Dive Remix auf Quintetssentials an.

Thamash: Na dem schauen wir schon erwartungsvoll entgegen. und wünschen euch auch mit den beiden kommenden Releases viel Erfolg. Vielen Dank für das interessante Gespräch.

thamash (04.03.2010)
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