[banq.de - Kopfbild] 03.09.2010: "shell beach" von Alexinho
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SA

14.10.2006

Sputnik

Falschgold

(15.10.2006)

Lichtesk

Trotz banq.de-Terminkalender-Ignoranz ausverkauft, so richtig mit Schlange vor der Tür und Nur-wenn-einer-geht-kommt-einer-rein-Gemache war ich gottlob schon zu unchristlichen Zeiten, viertelelf, Meinegüte, im Sputnik. Entsprechend leicht unaufgewärmt fühlte man sich beim beginn der Acid, Milch & Honig Show - um-ein-Uhr-früh Mucke schon um dreiviertelelf zu beginnen ist natürlich ein reziprokes Lineup und eine Zumutung fuer Protagonisten wie Komparserie. Viel angenehemer wäre doch ein Warmup der Headliner, Mikrowelle, mit ihrer C64-Rockabilly-Coverversions-Show mit Eläkeläiset-Effekt gewesen ("das ist doch von..", "..genau, hier.. na.."), damit sich Andi und sein Nordlead (LE) aka Acid, Milch & Honig danach schaffen kann bis er von der Bühne fällt - aber wer die bunten Plakate hat bestimmt..

Zur leichten Unausgeschlafenheit der Zeit passte eine den Showbeginn einläutende Schulklingel (Oh diese Erinnerungen!) und die "Ich bin der Peter von der 8b"-hafte Ansage des Veranstalters. Auch das mag dazu beigetragen haben, was ich nach den ersten Tönen von Acid, Mich & Honig irgendwo rechts von mir aufschnappte: eine Bemerkung, die fragte, ob man es hier mit einer Parodie zu tun hätte. Ich, der ich die Künstler, von denen am Freitag leider nur einer da war, schon im Picknick entdecken durfte, war natürlich leicht entsetzt; nach einem kurzen Zurücklehen konnte ich aber nicht umhin, dem Ahnungslosen zumindest mal die Frage zu gestatten. Klar, wer mit Pfeffermühlenbreitem sächsisch, leicht näselnd den ersten "Sorn" ansagt is vor solcherlei frevelhafter Verwechslung nicht gefeit. Aber zum Glück auch machen Acid, Milch & Honig keine dieser bierernsten Live Performances in denen picklige 20jährige nicht deshalb ohne Spot auf der Bühne stehen, sondern damit das Apple-Logo besser aussieht und verbissen in's Notebook starren, bis die Brillengläser springen. Nein, hier wird noch gelacht, wenn man was lustisch findet und selbst der übliche "Och kommt doch mal ein bissel näher, tanzt doch mal ein bissel!" spruch kam so entwaffnend ehrlich, dass man dem nur lachend Folge leisten konnte. Eine gewisse Joe Cocker-Motorik, die ja letztlich nur Positives über die ernsthafte Einstellung zur eigenen Musik sagt, trug zum punktgenauen Treffen vieler Humorzentren im Saal bei. Und, zugegeben, war das auch notwendig. AMH waren gnadenlos im bewussten verdilletantieren von Andreas Dorau-artigen Hooklines (interessanterweise erinnerte die Stimme, in Grenzen durchaus angenehm, an Robert und Mark E. Smith), der Sound war so lala und sowieso zu leise, es war zu früh, zu voll, zu warm, zu stickig und wer dann das da vorne nicht lustisch fand, war augenscheinlich schnell gelangweilt. Wer sich dann vorstellt, dass der Künstler sich einen Federballsschläger, ja, einen Federballschläger schnappt, weil er sich blöd vorkomme, bei einer "so geilen Gitarrenlinie ohne Gitarre" auf der Bühne zu stehen, bekommt beim Lesen schnell einen falschen Eindruck - nein, so unpeinlich hab ich so was Peinliches noch Keinen machen seh'n!

Musikalisch haben Acid, Milch & Honig definitiv ein Händchen für die geniale Hitline - dass man sich dabei vorkommt wie bei Blümchen in die Lehre gegangen (O-Ton AMH) liegt in der Natur der Sache. Aber wer sich heute noch "Seven Days And One Week" anhören kann ohne sich vor sich selbst zu schämen, der wird bei AMH nur Respekt! nicken können. Zwar klingt das alles musikalisch ein paar Monate zu spät, hat damit aber einerseits die Möglichkeit ein deutlich breiteres Publikum anzusprechen und andererseits klingt vieles so gut und in die Beine gehend, dass man oftmals Coverversionen vermutet. (Gab's auch als Zugabe..)

Textlich an vorderster Front und mitten im Geschmacksareal derer, die Die Zeit in der Reihenfolge "Leben, Feuilleton, Politik" lesen. kann man sich einen Vergleich mit s. Überschrift nicht verkneifen, ist aber sehr, sehr glücklich, dass Andi das auch weiss und alles was er singt mit diesem leicht absurden Humor bricht, den die Wessis halt nicht haben.

Man muss vermuten, dass ob der hier genannten Konkurrenz und Vorreiterollen die grosse Karriere von Acid, Milch & Honig in derSchnellebigkeit unsere Zeit versinken wird, aber ein Myspace-Stardom ist dicke drin; also rate ich denn, die Homepage nicht zu reparieren und gleich eine dieser hässlichen Myspace-Seiten zu bauen und zu hoffen, dass dieser Bericht im führenden Dresdener Medium für zu kleine Fonts die Initialzündung gibt.

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